Meine Diagnose
Es ist etwas Zeit ins Land gestrichen und es wird Zeit, dass ich mich auch mal wieder melde.
Anfangen möchte ich mit der wohl wichtigsten Thematik – meiner Diagnose. Was habe ich denn nun eigentlich? Warum geht’s mir denn so beschissen?
Nun, ich fülle nun einen Therapieplatz und um diesen zu bekommen, musste ja auch erst einmal geklärt werden, was das allem übergeordnete Problem ist. Wie ich zu meiner Therapie gekommen bin, möchte ich in einem späteren Beitrag berichten. Heute soll es sich nur kurz um das Thema Diagnose drehen.
Ohne weiteres Drumherum: ich leide an einer wiederkehrenden Depression und einer Art sozialer Phobie, wobei ich zweiteres manchmal anzweifle.
Aber das mit der Depression hatte ich bereits geahnt. Es gesagt zu bekommen, hat mich trotzdem getroffen. Man sollte dazu sagen, dass man Depressionen in etwa drei Kategorien einteilen kann. Die leichten, mittelschweren und schweren Depressionen. Da ich eine ähnliche Episode schon mal in meinem Leben erfahren habe, wusste ich schon vorher, dass ich für „Gemütsverstimmungen“ (um es mild auszudrücken) eher anfällig bin. Aber mir wirklich eingestehen, dass es mir jetzt schlechter als damals geht, konnte ich nicht wirklich. Die Einstufung mittelschwer hat mich deshalb schon etwas überrollt.
Nach der Diagnose war Fühlen etwas leichter. Ich konnte meine Traurigkeit endlich irgendwo einordnen und auch das ganze Gefühlschaos in mir ein Stück weit sortieren. Verschwinden werden meine Probleme allein nur durch die Diagnose nicht, aber das Grübeln ist weniger geworden und in meinem Kopf ist das große Warum (geht’s mir so?) geschrumpft. Quasi nach dem Motto: „Ich habe das jetzt und kann mich auf die Lösung des Problems konzentrieren“.
Zu dieser sozialen Phobie kann ich nur sagen, dass ich eigentlich ein sehr aufgeschlossener und kommunikativer Mensch bin, der gern auf Fremde zugeht. Zumindest, wenn ich das will und nicht dazu gezwungen bin. Mit Fremden zu telefonieren oder Verkäuferinnen im Geschäft um Hilfe zu bitten, mochte ich allerdings noch nie. Diese Neigungen habe ich aber immer der introvertierten Seite meiner Persönlichkeit zugeschoben. Seit ich wieder in einer depressiven Episode stecke, fällt es mir aber auch schwerer, unter Freunden mein altes Ich wiederzufinden. Ich bin sehr still, höre lieber zu, als zu erzählen und gebe meistens weniger über mich und meine Situation preis. Häufig werde ich dann gefragt, was denn mit mir los sei oder man mich gar nicht so ruhig kenne. Dann würde ich am liebsten los heulen. Aber auch an dieser Stelle, habe ich nie eine Phobie, sondern eher die Depression als Ursache gesehen. Sie nimmt mittlerweile einen größeren Teil meines Lebens ein und meistens habe ich das Gefühl, dass mir die Ausweichthemen fehlen, um meine mentale Gesundheit in einer Unterhaltung zu umschiffen. Meistens komme ich schon beim einfachen „Wie geht’s dir?“ in Erklärungsnot.
Letztens war ich bei einem Online-Spieleabend mit Menschen, die nur mein Freund kannte und ich war absolut überfordert mit der Situation. Die Angst, mich vor den anderen zu blamieren (ich kannte das Spiel nur sehr flüchtig und hatte gleich zu Beginn eine wichtige Rolle) war so groß, dass ich weder reden noch irgendwie denken konnte. Dazu sind mir meine Hände eingeschlafen und meine Atmung wurde auch zu schnell. Zusätzlich war ich vor ein paar Tagen im Krankenhaus und musste allein an die Anmeldung. Dabei wusste ich nicht mal, ob ich am richtigen Ort war und auf welchen Schlag Menschen ich treffen würde. Aufgrund der derzeitigen Corona-Regelungen konnte mich mein Freund auch nicht begleiten und nur zum Eingang bringen. Da erging es mir ähnlich. Am liebsten wäre ich auf der Stelle umgekehrt und nach Hause gefahren. Kurz vor den Tränen bin ich dann aber doch noch in das Gebäude gestiefelt.
Situationen wie diese lassen mich dann doch manchmal über eine soziale Phobie nachdenken. Allerdings stelle ich mich ihnen in den allermeisten Fällen. Das unterscheidet mich wohl von anderen Menschen mit einer sozialen Phobie. Das „Ich muss das jetzt tun“ überwiegt häufig das „Ich will aber nicht.“.
So viel zu meiner Diagnose. Ich hoffe, in den nächsten Tagen und Wochen komme ich häufiger zum Schreiben. Es fällt mir oft schwer, mich zu irgendwas zu motivieren, aber das Schreiben tut gut. Das merke ich auch in diesem Moment.
In diesem Sinne – bis bald!
June